Dienstag, 29. August 2017

Alltagsheld Tommy

Heute möchte ich ein Erlebnis mit dir teilen, welches mich auch noch nach 9 Jahren tief im Herzen berührt.

Als mein Sohn im Kleinkindalter war, erlebte er ein paar sehr unschöne Momente mit Hunden. Die Folge war, dass er eine große Angst Hunden gegenüber entwickelte. Da wir in einer Stadt wohnen, wo ungefähr jeder zweite Bewohner einen Hund besitzt, kannst du dir vielleicht vorstellen, was das für ein Vergnügen für uns war raus zu gehen. Die Angst war immer allgegenwärtig. Ich selbst hatte damals einen solchen Hass gegen Hundehalter entwickelt, kaum vorstellbar! Ich weiss bis heute nicht warum Hundebesitzer ihre Hunde, die sie nicht unter Kontrolle haben, ohne Leine laufen lassen.

Auf der einen Seite war also mein Sohn, der panische Angst entwickelte und ich auf der anderen Seite, die mit Hass erfüllt war. Ich erinnere mich noch genau daran, was das für eine Belastung für uns beide war. Wer will schon dabei zu sehen, wie sein Kind in Angst lebt? Ich sprach zunächst einmal mit ihm über unser Problem und erklärte, dass wir dringend etwas dagegen tun müssten. Er verstand auch, dass die Angst niemals von alleine verschwinden würde, also wurden wir aktiv.

An einem sonnigen Nachmittag ging ich mit meinem Kind durch die Stadt und schaute mir aufmerksam jeden Hundehalter an, der an uns vorbei ging. Nach einer Weile war es dann soweit, ich hatte mein Ziel erfasst. Ein sehr lieber Labrador Hund und sein Herrchen. Ich ging freundlich auf die Beiden zu, begrüßte den Mann und fragte ihn, ob er mir bei meinem „Hundeproblem“ vielleicht helfen könnte.

Ich erzählte zunächst von den prägenden Erlebnissen, die mein Sohn mit Hunden erlebt hatte. Danach fragte ich ihn, ob sein Hund wohl mitspielen würde, wenn mein Kind ihn mal streichelt. (Ich dachte, ich könnte meinen Sohn dazu überreden, damit er merkt, dass nicht alle Hunde ihn fressen wollen). Der Mann sah mich an und konnte erstmal gar nicht fassen, was wir für negative Erlebnisse gemacht hatten. Doch dann ignorierte er mich und drehte sich zu meinem Sohn um. Ich war dann erstmal raus aus dem Spiel. Er kniete sich zu ihm hin, stellte sich und seinen Hund vor, ging ganz liebevoll auf ihn ein und erklärte ihm, dass er keine Angst haben müsse. Dann befahl er seinen Hund sich hinzulegen und streichelte ihn. Mein Sohn sah zu und verlor schon ein wenig seine Hemmungen. Nach kurzer Zeit verlor er sie ganz und traute sich den Labrador zu berühren. Noch etwas später streichelte er den Hund und taute richtig auf. Hund Tommy und sein Besitzer übten einen großen Einfluss auf mein Kind aus. Ich traute meinen Augen kaum. Am Ende sah ich dabei zu, wie er Tommy mit Leckerlies fütterte. Ich bin beiden so verdammt dankbar für diese positive Erfahrung!

Wenn Menschen negative Erfahrungen mit anderen Menschen machen, hinterlässt das immer Spuren. Der Umstand in dem man sich gefangen glaubt, raubt einen manchmal den letzten Nerv. Doch wir können uns immer bewußt machen, dass es nur ein Umstand ist und letztendlich es in unserer Macht steht, wie wir darauf reagieren wollen. In diesem Fall entschied ich mich dafür, der Angst entgegenzulaufen. Sich einem Fremden einfach so anzuvertrauen, war auch für mich kein leichter Schritt. Aber was wäre die Alternative gewesen? In Angst leben? Hundebesitzer weiterhin hassen? Ich bin noch auf viele weitere Hundebesitzer zugegangen und heute hat mein Sohn ein sehr gutes Verhältnis zu Hunden. Wie sollte es auch anders kommen, zu seinen Lieblingshunden gehört heute der Labrador und der Golden Retriever.

Fast 9 Jahre später habe ich Tommy mit seinem Besitzer wieder getroffen. Ich habe mich sehr darüber gefreut diesen Hund zu streicheln. Wir hatten über unsere erste Begegnung gesprochen und ich habe mich nochmal bei den Beiden bedankt. Es war schon bewegend für mich. Tommy hat dann noch mal posiert für ein Foto.

Labrador

Danach hatten wir sogar zwei Jahre einen eigenen Hund in pflege.

Was habe ich daraus gelernt?


Wieder einmal zahlte es sich aus, nicht vor den eigenen Ängsten wegzulaufen, sondern sich ihnen zu stellen. Wenn man offen auf andere Menschen zugeht, kann man positiv überrascht werden. Wenn man so argen Groll gegen jemanden, oder etwas hat, muss man es auflösen. Denn Hass vergiftet die eigene Seele.


Alles Liebe
Mel

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