Donnerstag, 30. November 2017

Weltverbesserung´s Wahnsinn

Stress

Vegetarisch, vegan, kein Fett, keine Kohlenhydrate, kein Gluten, kein Zucker, keine verarbeiteten Produkte, nur Bio…

Kein Plastik, keine Schadstoffe, Bio Kosmetik und natürlich vegan - bis hin zu Wasser und ich wasch mich mit nichts – da ich voll auf dem Minimalismus Tripp bin, ich verschenk und verkauf alles – denn ich brauche nur Licht und Liebe zum leben, ich mache alles selbst – von meinem Brot bis zum Waschmittel und da mich das mindestens 20 Stunden Arbeit am Tag kostet – ach wer brauch schon einen Job…

Gut, ich habe jetzt vielleicht hier und da etwas übertrieben, aber mal so unter uns, viele die anfangen bewußter zu leben, finden sich irgendwann da wieder wo sie sich anfangen zu erklären, warum sie bei Aldi ihre Tomaten in Plastik kaufen. Umso bewußter wir uns machen, was eigentlich in unserer Gesellschaft schief läuft, umso größer wird das schlechte Gewissen, wenn wir z.B. nicht Bio, oder in Plastik kaufen. Ich beobachte dieses Verhalten gerade bei anderen Menschen und muss doch des öfteren schmunzeln, weil ich mich selbst darin wieder finde. Ich sprang auch auf den „Weltverbesserungszug“, der mich fast um den Verstand gebracht hätte, mit auf. Vor nicht allzu langer Zeit wäre mir fast der Kopf explodiert, weil ich alles auf einmal wollte. Alles was unserem Körper nicht gut tut, wollte ich aus meinem Leben verbannen. Alles was der Umwelt schadet, wollte ich ebenso ändern. Sein Leben so umzukrempeln, kostet aber auch viel Zeit. Irgendwann hat man keine Zeit mehr für „Nichts“. Wir wollen alles richtig machen und fühlen uns auf einmal schlecht, gereizt und genervt.

Aber woran liegt das jetzt?

Menschen sind Gewohnheitstiere. Diese Gewohnheiten lassen sich nicht von heut auf Morgen ändern. Nach 3-4 Monaten, wenn wir konsequent an etwas festhalten, haben wir eine gute Chance auf eine Neu – Programmierung. Das heißt, wenn jemand z.B. den Wunsch hat sich in Zukunft vegan ernähren zu wollen, sollte er mindestens 3-4 Monate konsequent dabei bleiben. In dieser Zeit wird der Körper immer noch das Verlangen nach Fleisch, Fisch, Milch und Eier haben und manchmal so extrem, dass es ihn gereizt macht. Danach hat sich dieser Mensch „umgewöhnt“ und es kratzt ihn nicht mehr im geringsten, was er früher mal gegessen hat, denn nun hat der Körper sich auf eine neue Ernährungsweise umgestellt.

An diesem Beispiel kann man deutlich sehen, dass es für uns Menschen nicht so leicht ist, unsere Gewohnheiten zu ändern. Wenn wir aber nicht nur eine Sache ändern wollen, sondern ganz viele auf einmal, dann verkraften wir das nur schwer.


Kein Stress

Es ist eine großartige Idee etwas für sich und auch die Welt zu tun. Die Welt braucht Menschen, die keine Angst vor Veränderung haben und gezielt etwas bewegen wollen. Doch müssen wir uns auch eingestehen, dass wir das am besten „Schritt für Schritt“ tun. Fühlen wir uns erstmal komplett überfordert mit den neuen Ansichten, kann es schnell passieren, dass wir in „alte Gewohnheiten“ zurückfallen und uns dann noch mieser fühlen.

Wenn du jemand bist, der gerne gesünder leben möchte, dann fang an dich einmal die Woche vegetarisch zu ernähren mit viel Obst und Gemüse. Dann erhöhst du auf zwei bis drei mal die Woche. Und so geht das immer weiter. Beobachte dich selbst, womit du dich wohl fühlst und worauf du deine Prioritäten legen möchtest. Wenn du ein Jahr vegetarisch gelebt hast und dann auf Vegan umsteigen möchtest, dann machst du es da genauso wie am Anfang mit der vegetarischen Ernährung. Setze dir kleine Ziele und hab Spass dabei. Nur so kann etwas Langfristiges daraus werden. Kein Stress! Das ist wie beim Sport, da ist auch keiner von heut auf morgen Weltmeister ;-)

Ich bin auch noch lange nicht da, wo ich gerne sein möchte. Doch bin ich jetzt sehr glücklich darüber, was ich schon geschafft habe.

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